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Ein Deutscher mit blauem Blut stellt Rotwein bei uns her
Die Zeitung „Sega“ 2005
In Bulgarien trifft man die Geschmäcker von Norden und Süden, so erklärt der Aristokrat Stephan von Neipperg die Gründe für seine Investition
Nadejda Hristova
Blaues Blut ist zwischen den Reihen der Rotweinhersteller in Bulgarien eingeflossen. Nicht so lange vorher hatte Graf Stephan von Neipperg ein Chateau in der Nähe von Pasardshik, Ognianovo eröffnet.
In dem Tal, wo das thrakische Volk Besi gelebt hat, wurden die zwei Firmen mit der Beteiligung von Graf von Neipperg registriert: „ Bessa Valley Winery“, was „ Weinkelterei in dem Tal der Besi“ bedeutet und „Ognianovo Winery“. Auf den sonnigen Hügeln werden qualitätsreiche französische Rebensorten angebaut: Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Syrah, die letzte Sorte ist in Australien verbreitet. Es wurden 2400 Dekar in der Nähe von Ognianovo gekauft, von denen sind schon 1050 angebaut. Der Wein, der dort hergestellt wird, wird in Flaschen mit der Marke Enira gefüllt und in Eliterestaurants und –hotels in Sofia, Plovdiv und Varna verkauft. 6,5 Millionen Euro sind bis jetzt in diesem Projekt investiert. Davon laufen ca. 2 Millionen über das Programm SAPARD. Die Investitionen für die nächsten 2 Jahre werden bis ca. 8 Millionen Euro steigen.
In dem Familienstamm von Graf Stephan von Neipperg, der seit dem XII Jahrhundert verfolgt wird, sind überwiegend Winzer, Weinbauer und Krieger. Einer seinen Vorfahren gründete Grafschaft Neipperg mit ca. 30 Dörfern in Schweigen, Deutschland, in dem Tal Würtenberg.
Graf Eberhard-Friedrich von Neipperg ist durch die Vernichtung der Türken in der Nähe von Timishuar 1667 und durch das Einführen von seiner Rebengelände mit der bekannten österreichischen Sorte Lemberger bekannt geworden. Chroniken beweisen, dass sein Sohn Wilhelm-Reinhard auch ein glänzender Krieger gewesen sei und sein Sohn Leopold Botschafter des österreichischen Hofes. Es wird außerdem behauptet ,dass er den Verdienst für die Hochzeit von Lui XVI und Maria-Antoaneta hat.
Laut der Familiengeschichte hat der Sohn von Leopold – Adam-Adalbert von Neipperg –eine wichtige historische Rolle für die Antinapoleonkause und investierte viel in die Bemühungen für das Fallen von dem Imperator von Frankreich. Seine erste Ehefrau war Gräfin Paula de Treviso, woher unser schon bekannter Graf Stephan von Neipperg stammt.
1814 bittet der Imperator von Österreich, Francois II, Adam-Adalbert die Ehefrau von dem entthronten Imperator Maria-Luisa Habsburg-Lotaringska, aber kurz darauf heiratet er sie. Sie hatten drei Kinder und Chateaubriand ruft aus: „Er hat es gewagt Eier in das Nest des Adler zu legen!“ In den unruhigen Jahren hat der Herzog von Würtenberg, gekrönt für König von dem Napoleon, die Grafschaft Neipperg annektiert.
Graf Stephan von Neipperg selber wurde am 28 Juni 1957 in Schweigern, Deutschland, geboren. Er hat die nationale Landwirtschaftliche Schule in Montpellier, Frankreich, absolviert. Später studiert er an der Hochschule für Betriebswirtschaft und Handel in Paris, Politik und Wirtschaftwissenschaft in Deutschland.
Im Moment besitz er 5 Schlösser mit Weinkellern in Frankreich – in dem Gebiet St Emilion, Bordeaux, bekannt durch die Weinherstellung. Das sind Canon La Gaffeliere, Chateau La Mondotte, Chateau d'Aiguille, Clos de l'Oratoire, Chateau Peyrot.
Eines der am häufigsten benutzen Wörter in der Aristokratie ist „ Terroir“. Was bedeutet das? Laut den Erklärungen von den Herstellern, sollte man „ das Blut“ von der Erde spüren – das ist die Zusammensetzung der Erde, bestehend aus Salzen, Mineralen, Kalkstein, Ton. Anhand der Erde sollte man die Sorte Wein aussuchen, die man anbauen möchte. Vor der Investition wurden Proben von Ognianovo nach Bordeaux zum Analysieren mitgebracht und so wurde festgelegt, welche Sorten am besten dort wachsen würden. Sie wurden nach Bulgarien importiert. Die Forschungen von Graf Stephan von Neipperg und seinen Partnern haben Jahre gedauert bis sie sich in dem Tal der Besi eingesiedelt haben.
„ Es ist eine Blamage in einem Land, in dem keiner Wein trinkt, welchen herzustellen.“ sagt Graf Stephan von Neipperg und erwähnt Chile als Beispiel – das Land exportiert 99 % von dem wertvollen Wein, da die Landsleute dort Bier trinken. In Bulgarien wird Wein hergestellt und getrunken, freut sich der neue Besitzer von Rebengelände und Weinkeller. „ Es ist wichtig, außergewöhnlichen Wein zu produzieren“ behauptet der Graf. Er kennt die Weltmärkte und ist sicher, dass es Käufer für den bulgarischen Wein geben wird. Der Export in kleineren Partien ist für Schweiz, Russland, USA, Kanada, China, Japan und Singapur geplant. Obwohl er die Welt und die fremden Märkte kennt, zitiert der Graf seinen Lieblingssatz der Winzer: „ Am besten ist es, den Wein vor der Tür zu verkaufen.“ Im Moment aber wird der Wein aus Ognianovo von einem der größten Distributoren und Weinhersteller – der französischen Firma Belvedere – verbreitet. „ Schon 15 Jahre produziere ich Wein, die Leuten werden mir glauben“ hofft der Graf von Neipperg.
Danach erklärt er, .dass es drei Länder gibt – Rumänien, Italien und Bulgarien, wo sich die Geschmäcker im Wein von Norden und Süden treffen und das macht sie unglaublich. Er ist hergekommen, da sein Freund und Vertreter der Hauptaktionäre, Karl-Heinz Hauptmann, hier Kontakte hat. Hauptmann ist Vorsitzender der Firma für kooperative Finanzen und Leiten „Europe Capital Management „ und außerdem wird in Spanien keiner auf mich warten, Wein zu produzieren.“ gibt der Graf nicht ohne Selbstironie zu.
Das andere, was ihn hergelockt hat, war, dass die Erde sich „ausgeruht“ hat, fast 50 Jahre lang wurde sie nicht bearbeitet und würde sicher denen dankbar sein, die sich um sie kümmern. Bevor sie sich in Pasardshik einsiedeln, haben die Firmen die Rebengelände und die Erde in ganz Bulgarien erforscht.
Der Mann mit blauem Blut, der Rotwein macht, meint, dass „die Reben höher wachsen sollten“. In Bulgarien liegen sie wegen der landwirtschaftlichen Technik und der großen Rebengeländer in talartigen Gebieten. Aber die Weinbäume mögen die Hügel und die Sonne, dann bekommt man Harmonie in den Wein, erklärt der Graf von Neipperg. Der Chateau in Ognianovo benutzt keinen Analog, gibt sogar die Konkurrenz zu. Es ist wie aus dem Buch gebaut. Der Wein liegt in Stein, aber erst nachdem die notwendigen Isolierungen gemacht worden sind. Ähnlich ist das System für Weingebiete in Melnik. In dem Verwaltungsgebäude der Firma werden antike Gegenstände und Münzen von dem archäologischem Museum in Pzardjik gezeigt. Die Idee stammt vom Direktor von der Kompanie Alexander Kanev. „ So wird gezeigt, wie eigenartig der Ort ist wo wir sind.“ meint er. Unter dickem Glas liegen Funde aus dem Hügel Maltene, in der Nähe von dem Dorf – Geschirr aus Keramik zwischen dem zweiten und dritten Jahrhundert vor Christus, silberne römische republikanische Münzen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus, Funde aus dem Tempel der Nymphen. Genauso wie seine eigene Geschichte, schätzte der Graf auch die von der Firma und beweist, wie Wein und Geschichte ineinander fließen. Das ist das Projekt, mit dem wir viel Vergnügen haben und das uns sehr am Herzen liegt, gibt der Graf zu.
Wenn es um Einzelheiten aus dem Privatleben geht, erzählt die Gräfin von Neipperg eine interessante Erinnerung. Sie erinnert sich, als sie das erste Mal ihren Ehemann gesehen hatte, da war er 5 gewesen und sie 3 Jahre alt. Das war auf einer Kinderfete und der Graf war als Schornsteinfeger angezogen gewesen. „ Unsere Familien waren immer befreundet gewesen und es war schwer, ihn nicht zu treffen. Seine Schwester ist meine beste Freundin“, erzählt die Baronesse Siegweiß von Stozinge. Jetzt kümmert sich Gräfin von Neipperg sehr um ihre vier Kinder, drei Mädchen und das jüngste, einen Jungen.
Sie hat eine humanitäre Schule absolviert. „ Noch als ich klein war, hat mein Vater mit mir auf Latein gesprochen“ erinnert sie sich an ihre Kindheit. Später studiert sie Mediävistik in München. Drei Wochen nach Beenden ihr Studium heiratet sie den Graf von Neipperg, der zurzeit in Frankreich studiert.
Sie besucht die Kunstschulen in Bordeaux und Zürich. Vor zwei Jahren hat sie ihre Ausbildung in Morphopsychologie beendet und spezialisiert sich auf die Beschäftigung mit Kindern. Sie malt sehr gern, es bleibt ihr aber immer weniger Zeit dafür. Die Gräfin weiß nicht so viel von dem Business ihres Ehemannes, aber gibt zu, dass sie sich mit dem „angenehmsten Anteil“ davon beschäftigt, nämlich dem Empfangen der Gäste, Organisieren von Empfängen in verschiedenen Orten in Europa und der Welt. Sie war zum ersten Mal letztes Jahr in Bulgarien und fühlt sich immer noch als Gast. „ Viele Aristokraten in Zentraleuropa produzieren Wein“ sagt sie. Die Gräfin versucht die Verbindung zwischen Graf von Neipperg mit dem Premier Sachskoburgotski zu erklären „Der älteste Bruder von meinem Man ist verheiratet mit der ältesten Tochter von Otto von Habsburg, der verwandt mit eurem Premier ist.“
Der Region
In der Nähe von Ognianovo erhebt sich der so genannte Baba ( die Bessarabischen Erhebungen). Laut historischen Forschungen haben die Besi die Tempel auf hohen Bergspitzen gebaut, um den Gott Dionisios zu ehren. Während der römischen Zeit wurde in diesem Gebiet der Trojan- oder Diagonalweg gebaut, er überquerte das Tal des Flusses Maritza und verbindete Trojan mit Bizantion.
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