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Das blaue Blut in dem bulgarischen Wein
Jahr 2005
Bis vor kurzem wurde der bulgarische Wein als Bauernprodukt angesehen und dadurch wurde ihm absichtlich die Klasse, die er verdient, vorenthalten. Aber im bulgarischen Wein fließt mittlerweile auch blaues Blut.
Wir machen uns wieder auf den Weg, aber dieses Mal Richtung Pasardshik, genauer zum berühmten Projekt „Ognianovo“. Man hat vor mehr als vier Jahren angefangen, über ihn zu reden, aber erst Ende Mai wurde er offiziell dem Publikum vorgestellt. Alles, was man darüber wusste, war, dass es sich um eine wichtige Investition von SAPARD handelte und dass dahinter Namen wie Marc Dworkin und Stephan von Neipperg standen. Dworkin ist ein bekannter Name in Bulgarien – Berater von einigen bulgarischen Kellern.
Der Nachkomme Graf von Neipperg ist Besitzer von fünf Schlössern in dem bekannten Wein-Gebiet St Emilio - Bordeaux, Frankreich: Canon La Gaffeliere, Chateau La Mondotte, Chateau d'Aiguille, Clos de l'Oratoire, Chateau Peyrot und gleichzeitig ist er Teilhaber der Firma „Bessa Valley Winery“. „Seit 2000 sind wir öfters nach Bulgarien gekommen, um einen passenden Ort zu finden und unseren Traum, eine moderne Weinkelterei vom Typ „Chateau“ zu gründen. Modern in ihrer Konzeption, aber auch mit der Geschichte verbunden sollte es sein“ teilt Stephan von Neipperg mit.
Das Projekt „Bessa Valley“
Das Projekt startet 2001 mit dem Kauf von Erde in der Nähe des Dorfes Ognianovo, Pasardshik. Bis jetzt wurden ca. 2400 Dekar gekauft, von denen schon 1050 Dekar angepflanzt worden sind. Eigentlich handelt es sich um zwei getrennte Investitionen von SAPARD, „Bessa Valley“ und „Ognianovo Winery“ vereint in einander.
Neulich wurde der komplette Weinkeller gebaut, der 1 Million Flaschen pro Jahr füllt. Obwohl uns Marc und Stephan mit den Worten: „ Das ist ein Keller von der Art eines Chateaus.“ empfangen haben, könnte die Weinkelterei von der Seite betrachtet sowohl in Kalifornien oder Australien aber auch in jeder anderen Stadt der Welt sein. Noch auf der Fahrt dorthin wurden wir von dem riesigen Gelände überrascht und als die sympathischen Gebäude aus unbearbeiteten Steinen vor uns standen, haben wir eine Vorstellung von der Größe der Investitionen bekommen. Das Terrain mit den Weinanpflanzungen schaut nach Süden und ist von allen Seiten von Bergen umkreist. Bis jetzt wurden 6,5 Millionen Euro in dem Projekt investiert und bis Ende 2005 kommt noch eine halbe Million dazu. Der größte Anteil der Anpflanzungen sind Merlot ( 80 %), ca. 5 % sind Cabernet Sauvignon, 15 % Petit Verdot und 20 % Syrah. (Stimmen die Prozentzahlen? Das ergibt nämlich mehr als 100)
Der erste Wein von dem Keller ist schon ein Fakt und hat bereits seine Vorstellung bei „Winaria“ gehabt. Der Hauptbestandteil von dem Wein war natürlich Merlot und wurde mit der Name Enira präsentiert. Für uns war das eine der Überraschungen bei „Winaria“. Selbst wenn viele Leute ihn nicht einschätzen konnten, hat uns Marc Dworkin bewiesen, dass er ein guter Winzer ist. So oder so ist Enira noch nicht auf dem Markt und deswegen bleibt die Reaktion des Publikums noch unklar. Der Wein hat uns außerdem damit beeindruckt, dass er aus jungen Reben gemacht worden ist. Stephan von Neipperg behauptet, dass man in der Ernte von 2003 eine seltene wunderbare Qualität der von den jungen Trauben spürt, die selten sind. „ Normalerweise gibt die junge Rebe ganz normalen Wein, aber hier sehen wir einen komplexen Charakter. Alle Merkmale sind vorhanden – an erster Stelle der Terroir, denn ohne ihn gibt es keinen guten Wein. Wir hinzufügen einfach Mitteln in einem großen Potential von dem bulgarischen Wein und seiner vergessenen Geschichte.“ Marc erklärt, dass alles von dem Wetter abhängig ist und dem spezifischen Mikroklima. „ Der Ort ist sehr angenehm, da es im Sommer nicht so heiß wird (Maximaltemperaturen 32-33 Grad Celsius), der Winter ist einigermaßen mild und im September und Oktober regnet es nicht so viel. Selbst dieses Jahr mussten wir im September zwei Wochen warten bis es geregnet hat und wir den Cabernet in besten Bedingungen pflücken konnten.Wie Sie sehen, sind wir durch die Berge auch gegen Erfrierungen geschützt. Letztes Jahr haben die Weinanpflanzungen unter Krankheiten und Fäulnis gelitten und wir hier hatten kein Problem gehabt.“ Auf die Frage, warum sie keine weißen Sorten züchten, antwortet Mark dass das ein sehr interessanter Aspekt sei und er gern in der Zukunft mit einem Teil der Erde experimentieren möchte, welcher bis jetzt noch nicht angepflanzt war. Stephan fügt hinzu, dass er Weißwein genauso mag wie außergewöhnliche Kopien von bekannten Gemälden. „ Richtig schön, aber dennoch Kopien. Mit Rotwein kann man mehr erreichen, vor allem in unserem Fall – wir kontrollieren alles: wie dicht angepflanzt wird, wieviele Trauben sie haben, wieviele Blätter auf den Reben bleiben sollen usw. Bei den Rotweinen gibt es einen wesentlichen Moment, im Vergleich zu den Weißen. Wenn die Häutchen verfaulen, wirkt sich das negativ auf den Wein aus, deswegen versuchen wir, gesunde Trauben mit gesunden Häutchen und gut gereiften Kernen zu produzieren.“ Graf von Neipperg erzählt, dass es besser, wenn mehrere Blätter hängen bleiben, damit die Früchte langsamer aber besser reifen können. „Es ist bekannt dass 50 % von dem Zucker in den Trauben in den Blättern produziert wird, aber nur 20 % von denen sind Richtung Sonne angewandt. Deswegen schneidet man sie vorsichtig aus: sodass genug Blätter um die Früchte bleiben. So kann man Lüfte und Fäulnis, Joidium und andere Probleme verhindern.“
„Es ist nicht wichtig, was wir denken, sondern was die Rebe braucht, und genau das versucht man hier zu machen – auf die Reben zu hören.“
n Bessa Valley züchtet man vier Klone von Merlot. Wir haben sie gefragt, warum sie sich für diese Sorte entschieden haben. „Als wir das Projekt gestartet haben, haben wir 16 Proben aus verschiedenen Orten der Weinanpflanzung genommen und sie nach Frankreich gebracht, wo wir sie gründlich untersucht haben, sagt Marc. Aber selbst ohne das hat die Praxis schon längst bewiesen, dass der Kalksein, der der Hauptbestandteil der Erde hier ist, einen exzellenten Merlot gibt. Und umgekehrt, ist Cabernet auf Kalkstein nicht so aufregend. Hier haben wir Kalkstein, Ton und ein wenig Granit, deswegen haben wir uns für Merlot entschieden selbst bevor die Proben fertig waren. Eine andere Sorte, die gut auf dieser Erde wächst, ist die Syrah. Bei Petit Verdot steht die Sache ähnlich, aber wir warten noch ab, was passiert. Eigentlich ist alles simpel, wenn man die Erde kennt. Ich erinnere mich, erzählt Marc weiter, was für eine Revolution es war, als wir während der Pflückzeit plötzlich alle Arbeiter aufgefordert haben aufzuhören. Wir haben am 21. September angefangen und am 23. aufgehört. Die Menschen waren verblüfft, wir hatten gerade erst zwei-drei Reservoirs gefüllt und dann gestoppt. Wir haben ihnen gesagt, dass wir noch ein wenig warten werden bis die Trauben reifen. Das Geheimnis unserer Weine nennt sich Phenolreife. Nächstes Jahr wird vielleicht ganz anders, das kann keiner sagen. Weinproduktion ist ein unbeständiger Beruf, der von der Laune der Natur abhängt. Aber zumindest haben wir was Wichtiges gelernt – wir haben Zeit. Wir können uns leisten zu warten.“
Weinkeller
Noch mit dem Ankommen zieht der Stein, aus denen die Keller gebaut worden sind, die Aufmerksamkeit auf sich. Man kann deutlich Versteinerungen von Muscheln und Schalen erkennen. So hat Marc Dworkin ihre Herkunft erklärt: „Ein Freund von uns hat zufällig ein altes fast zerstörtes Haus in einem kleinen Dorf 10 Kilometer von Plovdiv gesehen und hat uns mit den Worten angerufen „Jungs ich habe was für euch.“ Stephan und ich sind zu dem Bürgermeister des Dorfes gegangen und haben ihn gefragt, ob wir die Steine mitnehmen dürfen. Er hat sich sogar über den Vorschlag gefreut.“ Stephan von Neipperg ergänzt: „Sie haben sehr gut zu unserem Konzept eine attraktive Symbiose zwischen dem Modernen und dem Altertümlichen herzustellen gepasst. Ich glaube, dass sich das auch auf den Wein auswirken wird, obwohl unsere Aufgabe sehr ehrgeizig ist und wir uns einig sind, dass das ein Risiko ist.“ Marc: „Ohne Risiko ist nichts interessant.“ „Ich riskiere nichts, denn ich habe ein sorgfältig ausgewähltes Material von Anfang an benutzt, gibt Graf von Neipperg mit Vergnügen zu. Wenn man über gute Trauben verfügt, kann man auch einen fantastischen Wein produzieren, man kann sich auf seine Phantasie einlassen und mit dem Wein spielen. Wenn die Frucht schlecht ist, benutze ich sichere Fermentation und ausgewählte drojdi. Wenn man über gute Früchte verfügt, fühlt man sich frei.“
Wir betreten den Raum mit den Empfangströge, wir sehen wo die kleinen Minitraktoren Lamburgini parken. Sie würden das Interesse auf sich ziehen während der Kampanie, wenn sie um die riesigen Reservoirs in Slalom kreisen. Alles ist aus Beton und unterscheidet sich von den alten Kellern während des Sozialismus - eine interssante Lösung im Vergleich zu den anderen modernen Weinkeltereien, in denen mit wenigen Ausnahmen der rostfreie Stahl und die französischen Fässer das erste sind, was man sieht. „ Der Rostfreie Stahl ist was Gutes, aber nicht für den Wein“, lächelt Stephan. Es ist, als ob wir den Wein in eine Dose einsperren“. Trotzdem haben wir auch einige Reservoirs aus inox bemerkt. Es gebe auch Gefäße aus rostfreiem Stahl, hat uns Marc erklärt. In diesen findet ein spezieller technologischer Prozess statt, pigage genannt. „Pigage ist keine revolutionäre Technik, wird aber zunehmend öfters verwendet“, erklärt Stephan. In der so genannten schonenden Weinherrstellung werden die Trauben nicht zerquetscht. Am ersten Tag noch vor dem Ernten der Trauben haben Stephan und ich uns die Trauben angeschaut und uns entschlossen, sie nicht zu zerquetschen. Das Resultat zeigte sich in einer ausgezeichneten Qualität, erzählt Marc.
Der nächste Keller ist im Vergleich zu den vorigen viel kleiner, erhält aber durch das Rotond eine sehr interessante Form. Durch die hohen Fenster fällt natürliches Licht in den Raum und verleiht eine gemütliche Atmosphäre. Man erkennt sofort, dass die Besucher dort empfangen werden. „Wir haben uns entschlossen, in das gesamte Gebäude mehr Geschichte hineinzulegen.“ teilt Graf von Neipperg mit. Draußen gibt es einen Hof mit einem kleinen Schwimmbecken, das weiterentwickelt und für touristische Zwecke verwendet werden soll.
Marc Dworkin: „Es wäre schön, wenn in die Stadt weitere Investitoren kommen“.
Die Weine, die wir gekostet haben, zeigen in jedem Fall Charakter und haben eine persönliche Note. Es war interessant, die erste gepresste Sorte von Syrah von Bessa Valley zu degustieren. Sie hat uns verwundert mit ihrer Milde und Balance, aber auch mit den vielen attraktiven Düften von Fleisch, Pfeffer und frischer Leber. Besonders der aromatische und lange Abgang des Weines ist verwunderlich, da dieser bei gepressten Weinen oft nicht zu erreichen ist. Die Weinsorte Enira (Ernte 2004) ist die qualitativ hochwertigste dieser Reserva; Ernte 2003, die bei der „Winaria“ gezeigt wurde, hat auserwählte pflanzliche Akzente (Haare von Maiskolben) mit milder Frische und Reife. Der Anteil der neuen Eichenfässern der Enira Reserva (Ernte 2004) beträgt 20 %. Bei der Enira 2004, die im August in Flaschen gefüllt wird, wird das Verhältnis 50:50 sein. „ Nächstes Jahr werden wir wieder 20 % neue Fässer benutzen, teilt Marc Dworkin mit. „Das sind Weine, die Holz gut vertragen können“ ist sich Graf von Neipperg sicher. Wir arbeiten nur mit französischer Eiche, aber haben vor, es auch mit bulgarischem zu versuchen. Das Problem mit der bulgarischen Eiche ist, dass bei der Anfertigung des Holzes der Baum falsch geschnitten wird und sich dadurch seine Struktur verändert. Die meisten Fässer sind aus der zweiten Ladung und kommen aus einer meinen Schlösser in St Emilion - Canon La Gaffeliere.
Stephan von Neipperg behauptet, dass es keinen Unterschied zwischen seinem Schloss in Bulgarien und irgendeinem von seinen modernen Kellern in Frankreich gibt. Er sagt, dass er alle seine Schlösser mag, aber sich besonders zu Ognianovo gebunden fühlt, da es dort so schön duftet.
„Bessa Valley“ und „Ognianovo Winery“ beginnen gerade erst, aber man muss zugeben, dass Marc viele Ideen hat. Mittlerweile arbeitet er eifrig an einem neuen Projekt in Liubimetz, Überraschungen werden folgen.
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