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bTV Reporter
Ein Interview mit Graf Stephan von Neipperg.
Heute treffen wir uns mit Graf Stephan von Neipperg aus Deutschland. Seit 7 Jahren entwickelt er in der Nähe von Ognianovo einen der erfolgreichsten Weinkeller in Bulgarien.
----- Im Tal der Bessen -----
Das Gebiet des Dorfs Ognianovo ist in der Region von Pasardshik. All diese Weinreben, die auf zirka 3 000 Dekaren liegen, gehören dem Bessa Valley Weingut (aus dem Englischen übersetzt – das Tal der Bessen). Es wird angenommen, dass vor ungefähr 2500 Jahren der thrakische Stamm Bessi gerade auf diesen Gebieten berühmten Wein gemacht hat, von denem in der Antike Legenden erzählt wurden.
Gerade diese Legenden und die günstigen Wetterbedingungen haben den deutschen Grafen Stephan von Neipperg hier angezogen, um zu investieren. In seiner Familie, die seit dem 12. Jahrhundert stammt, gibt es viele berühmte Winzer von hochqualitativen und teuren Weinen.
Der Graf ist in der deutschen Stadt Schwaigern geboren, er wohnt heute in Bordeaux. Er hat die Familientradition bei der Weinherstellung bewahrt und besitzt noch 5 Châteaus in Frankreich – in der durch die Weinherstellung bekannten französischen Region Saint-Émilion neben Bordeaux. Er interessiert sich sehr auch für bulgarische Weine.
Graf Stephan von Neipperg:
"Das ist eine sehr lustige Geschichte, meine Familie pflegt eine wirklich lange Tradition bei der Weinherstellung und ist in hundertelanger Weinkultur erzogen. Meine Mutter ist Tschechin und wir haben immer bulgarischen Wein getrunken. Das habe ich schon als kleines Kind in meinem Gedächtnis behalten, und nach der Öffnung nach Osteuropa haben wir, die beiden Teilhaber, uns dafür entschieden, in Bulgarien zu investieren."
Ein der am häufigsten gebrauchten Wörter von dem deutschen Adligen ist das Wort "Terroir", es bezeichnet die Kombination aus Boden und Klima – strukturbestimmenden Faktoren, von denen die Anbau von qualitativen Reben und die Herstellung von ebenso qualitativem Wein abhängt. Nach dem Grafen Neipperg ist der Terroir bei Ognianovo ausgezeichnet.
Graf Stephan von Neipperg:
"Vor allem haben mir die Bodenqualität und die Weinanbautradition, die hier seit 2 500 Jahren datiert, Eindruck gemacht. Eigentlich haben wir diese tausendjährige Tradition nur belebt. Unsere Aufgabe als Anleger war Invenstitionen und Now-How in diesem Land zu bringen, in dem es eine Weinanbautradition gegeben hatte, die aber zu einer bestimmten Zeit gebrochen wurde. Wir hatten die Möglichkeit diese Geschichte neu zu schreiben."
Graf Neipperg arbeitet an dem Château in Teilhaberschaft mit dem Anleger Karl-Heinz Hauptmann und mit Hilfe des Bulgaren Alexander Kanev. Ihr Projekt in der Region von Pasardshik startet im Jahre 2001. Sie entscheiden welche Rebsorten bebaut und gezüchtet werden, erst nachdem der Boden aus Ognianovo und mehreren anderen Regionen in Bulgarien in spezialisierten Labors in Bordeaux gründlich analysiert worden ist. Damit endet die erste Etappe – das Wählen des Terrains und beginnt die zweite.
Damit das Projekt starten kann, müssen die Anleger zuerst die Ländereien kaufen, die vielen Besitzern gehören und sie kommassieren. Es handelt sich um zirka 3 000 Dekare Land. Vor 7 Jahren liegte alles hier brach. Das Einzige, was jetzt an die Vergangenheit erinnert, ist ein Baum in der Ferne.
Alexander Kanev, Geschäftsleiter des Bessa Valley Weinguts:
"Das ist ein wichtiges Projekt, in dem eine langfristige finanzielle Investition geplant wird; also wir werden es nicht verwirklichen, ohne in seinem Erfolg hundertprozentig sicher zu sein. Das Einzigartige in diesem Projekt ist die Bodenstruktur, das typische Mikroklima und die Lage des Tals. Natürlich war der erste Schritt bei einer solchen langfristigen Investition das Kaufen und Kommassieren des Landes. Das erwies sich als das Schwierigste in diesem Projekt, weil es Besitzer gab, die nicht verkaufen wollten. Einigen von ihnen wurde vorgeschlagen, ihr Grundstück gegen ein Grundstück in einer anderen Region zu tauschen. Bis jetzt haben wir nur einen Mietvertrag für die Dauer von 25 Jahren geschlossen, in diesem Fall wurde ein Kompromiss geschlossen, aber das ist keine befriedigende Lösung für uns."
Das Land wurde kommassiert und Eigentum der Anleger, der nächste Schritt war sein Bepflanzen mit roten Rebsorten. Das sind die französischen Sorten Merlot, Cabernet Sauvignon, Petit Verdot und Syrah. All diese Sorten werden gemischt, nachdem sie reif geworden sind und nach präzisem Gären und Vinifizieren. Auf diese Weise stellt das Weingut Verschnittswein mit einzigartigem Geschmack, Geruch und anderen Weineigenschaften wie Farbe, Dichte, Alkoholgehalt her.
Der Kalkfels, der einhalb Meter unter der Bodenfläche in Ognianovo liegt, saugt die Feuchtigkeit auf und trägt dazu bei, dass hier die traditionelle Rebkrankheit – Peronospera fehlt. Die günstige Berghöhe, die windige Stelle gehören auch zu den kleinen Geheimnissen der guten Weinrebe, teilen die Besitzer mit.
Graf Neipperg, der Rotwein herstellt, meint, dass in Bulgarien "die Reben an höheren Stellen bepflanzt werden sollen." Wegen der landwirtschaftlichen Maschinen und der großen Bergmassive wurden in Bulgarien während des totalitären Regimes die meisten Reben in ebenen Geländen bebaut. Aber die Reben lieben höhe Berge und die Sonne, nur dann kann man Weinharmonie erreichen.
Graf Stephan von Neipperg:
"Sie haben in der Vergangenheit einen Fehler gemacht: die großen Weinberge sind z. B. in den Ebenen zwischen dem Getreide bebaut worden, und die hochqualitativen Weine sind von Reben hergestellt, die auf begrenzten, unebenen Geländen mit hartem Klima gedeihen. Die Traube ist eine herrliche Frucht, aber nur ihre Hülle gibt die Farbe des Weins; wenn die Farbe der Hülle nicht konzentriert ist, so bekommen Sie niemals einen guten Wein."
Für das Geradestehen der Rebstöcke wurden nur Akazienpfähle –aus reinem und ökologischem Material - gebraucht. Der Beton ist verboten. Der Weinkeller ist mit Stein aus dem naheliegenden Steinbruch verkleidet. Hier ist Ökologie das Schlüsselwort und das Hauptkriterium für Qualität.
In Bessa Valley, im Unterschied zu den mehreren bulgarischen Weingütern, ist der Ertragsquantität von den Reben genau beobachtet. Eine maximale Ertragsquantität ist bestimmt worden und wenn die Reben mehrere Früchte ansetzen, als es geplant ist, werden diese ausgeschneidet und weggeworfen. Es klingt ein bisschen seltsam. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Besitzer keine hohe Ertragsquantität von Trauben mit schlechteren Eigenschaften suchen, sondern hochqualitative Früchte. Je höher die Qualität der Traube ist, desto besser wird der Wein. Dieser Prozess wird grüne Weinlese genannt. Dieses Jahr hat das Weingut seine vierte Ernte an Trauben eingebracht.
Alexander Kanev, Geschäftsleiter des Bessa Valley Weinguts:
"Wir haben 500 Rebstöcke je Dekar bepflanzt, d.h. der Zwischenraum ist 2x1m groß und auf Grund der Blattmenge sind wir der Meinung, dass wir aus einem Rebstock 1 Kilogramm Traube gewinnen sollen oder 600 Kilogramme ist der Maximalertrag je Dekar. Wie bekommen wir diesen Ertrag? Wir haben ihn zuerst durch die Wahl einer qualitativen Sorte begrenzt, der die Reben zwingt wenigere Trauben zu tragen, aber qualitativere; zweitens ist die sogenannte grüne Weinlese. Für jede Rebsorte wissen wir, wie viele Trauben sollen wir bewahren und wir schneiden alles, was über diese Menge hinausgeht und legt es auf den Boden. So sind wir sicher, dass wir optimale Parameter erreichen werden wie Zuckergehalt, Säuren und den pH-Wert.
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